Presseaufruf vom Juni 2009

Initiative zur Gründung einer Städtepartnerschaft mit Palästina

Bielefelder Bürger haben im April 2009 Israel und Palästina bereist. Sie sind mit der Überzeugung zurückgekehrt, dass die von der Weltgemeinschaft geforderte Zwei-Staaten-Lösung der einzige friedensstiftende Weg ist, wie jüngst auch von Papst Benedikt XVI geäußert. Eine Friedenslösung, die auch außerhalb der Krisenregion öffentlich unterstützt werden muss.

Das Israelische Sicherheitsbedürfnis mit seiner fortschreitenden Siedlungspolitik im besetzten Palästina und der palästinensische Selbstbehauptungswille sowie gewaltsame Übergriffe radikaler Gruppierungen treffen unversöhnlich aufeinander. Eine unmittelbar auf Versöhnung ausgerichtete Begegnung der Menschen beider Seiten findet kaum oder gar nicht statt. Der ideologische Fundamentalismus auf beiden Seiten, der forcierte Mauerbau auf palästinensischem Gebiet und die scharfen Sicherheitskontrollen machen Begegnungen von Mensch zu Mensch praktisch unmöglich. Die Hoffnungen auf dauerhaften Frieden schwinden.

Der Friedensprozess muss vor Ort, aber auch außerhalb der Region gefördert werden, um Misstrauen, Feindseligkeit und Hass abzubauen. Erst wenn die Barrieren in den Köpfen verschwinden, fallen auch die Mauern aus Beton. Damit sich mehr und mehr Menschen aus beiden Landesteilen begegnen können und sich verstehen lernen, bedarf es angst- und repressionsfreier Orte außerhalb der Region. Orte, die solche Begegnungen glaubhaft herbeiführen können, weil sie mit beiden Seiten im Gespräch sind. Wir sind davon überzeugt, dass auch Bielefeld dazu einen Beitrag leisten kann.

Wir, die Unterzeichner dieses Aufrufs, appellieren an den Rat der Stadt Bielefeld, neben der Partnerschaft mit der israelischen Stadt Nahariya auch eine Partnerschaft mit einer palästinensischen Stadt einzugehen. Damit würde der Friedensprozess im Nahen Osten glaubhaft gefördert und Bielefeld eine Begegnungsstätte für Menschen beider Seiten. Eine solche Partnerschaft wäre eine Bürger-Initiative unserer Stadt für einen friedlichen  friedvollen Dialog. Sie stellt keine Geste für oder gegen einen der Konfliktpartner dar.

Es gibt bisher zwei deutsche Kommunen, die mit Städten in Israel und Palästina zusammenarbeiten, Köln (Tel Aviv und Bethlehem) und Wiesbaden (Kfar Saba und Jericho). Die Unterzeichner dieses Aufrufs plädieren für ein aktives Nahost-Forum in Bielefeld zur Begegnung und Kommunikation für Israelis und Palästinenser mit unseren Bürgerinnen und Bürgern, offen zugleich für Teilnehmer aus ganz Deutschland.

Für ein solches Nahost-Forum in Bielefeld sprechen nach der Überzeugung der Unterzeichner wichtige Argumente.

  1. Bielefeld könnte die Chance bieten, Menschen und Initiativen aus Israel und Palästina in einem gesellschaftlichen, politischen, kulturellen, religiösen und wissenschaftlichen Dialog zusammen zu führen, der Vertrauen schafft und radikale Gesinnung zurückdrängt. 
  2. Bielefeld könnte mit einem jährlichen Forum dazu beitragen, dass sich Menschen treffen können, die zuhause trotz ihrer engen Nachbarschaft wegen der herrschenden Verhältnisse nicht zueinander finden und sich deshalb fremd und ablehnend gegenüberstehen. Die Voraussetzungen sind günstig, da mit Nahariya schon eine Partnerschaft besteht.
  3. Ein „Bielefelder Nahost-Forum“ würde unsere Stadt innerhalb kurzer Zeit weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt machen und dadurch der Stadt Ansehen verleihen. Für die Bürger unserer Stadt würde sich eine exzellente Möglichkeit ergeben, einen unverstellten Blick auf die Probleme des Nahen Ostens zu gewinnen. 
  4. In Bielefeld könnten Probleme und Ideen zu deren Lösung vorgestellt und diskutiert werden, die im Schatten der offiziellen Politik stehen. Damit übernähme die Stadt eine verantwortungsvolle Mittler-Rolle zwischen beiden Parteien im Nah-Ost-Konflikt.

Wenn es gelingt, mit der Partnerschaft und dem Nahost-Forum auch nur einige Steine auf dem Weg zur Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern auszuräumen, hätten Bürger und Bürgerinnen in Bielefeld etwas für den Frieden in dieser gespaltenen und aufgeheizten Region getan.

Die Initiatoren:
Hans Behrendt - Gerhard Duncker - Thomas Elshorst - Alfred Hellmann  - Johannes Kramer - Peter Michael Lauven,  -  Hartmut Stange


Bielefeld, im Juni 2009

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